Archiv der Kategorie: Ankündigungen

Philosophischer Salon 2021

Naturbeherrschung, Unbestimmtheit, Sorge – philosophische Betrachtungen zur Pandemie

-> in Bremen:
Freitag, 26. November, 19 Uhr, im Gemeindehaus der Friedenskirche, Humboldtstraße
(es gilt die 3-G-Regel; bitte anmelden unter: kontakt@verein-agl.de)

-> in Ludwigshafen:
Freitag, 3. Dezember, 19 Uhr, in Ludwigshafen-Friesenheim
(es gilt die 3-G-Regel; bitte anmelden unter: kontakt@verein-agl.de)

Vortrag von Dr. Wolfgang Hien mit anschließender Diskussion

Im Vortrag werden philosophische Anleihen genommen bei Max Horkheimer (Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, 1947), Werner Heisenberg (Das Naturbild der neuen Physik, 1953) und Jean-Luc Nancy (Ein allzumenschliches Virus, 2021). Es geht darum, einen kritischen Blick auf die Auswüchse der Naturbeherrschung zu werfen, die eine „Revolte der Natur“ hervorruft. Es geht darum, angesichts der Komplexität der Wirklichkeit sich einzugestehen, dass es unmöglich ist, exakte Daten über den Stand der Dinge zu gewinnen („Unbestimmtheit“). Es geht schließlich darum, angesichts des Wahnsinns der kapitalistischen Globalisierung und der Illusion, der Mensch könne Ort und Zeit unbegrenzt überwinden, sich einzugestehen, dass wir endlich sind, und die einzige Chance darin besteht, Mitmenschlichkeit zu leben und füreinander zu sorgen.

Aus dem bisher Gesagten sollte deutlich geworden sein, dass an diesem Abend nicht über „Corona-Diktatur“ oder das „Pro und Contra des Impfens“ diskutiert werden soll. Der autoritäre Zugriff auf den Menschen ist, insbesondere seit den Extremen des 20. Jahrhunderts, eine immerwährende Gefahr, die im 21. Jahrhundert nur noch durch den manipulativen Zugriff der Internetkonzerne übertroffen wird. Ebensowenig neu ist, dass die kapitalistische Pharmaindustrie ihr weltunmspannendes Netz ausgeworfen hat. All dies wurde und wird an anderer Stellle ausführlich diskutiert, unter anderem auch in unserem Verein (siehe diese Homepage unter: Information – weitere Texte – Gesundheit allgemein). Der Philosophische Salon soll demgegenüber ein wenig den Raum für eine geistige Reflexion öffnen, um über Naturbeherrschung, Unbestimmtheit und das sorgende Mit-Sein mit Menschen und allen Lebewesen nachzudenken. Ein Philosoph, auf hier besonders hinzuweisen ist: Jean-Luc Nancy.

Nancy war urspünglich Mathematiker, um sich dann dem Tanz und dem Theater zuzuwenden. Nancy engegierte sich im revolutionären Pariser Mai 1968. Im späteren verlauf seines philosophischen Denkens wendete er die Kategorie Heideggers vom „Mit-Sein“ gegen Heidegger und erweiterte sie zu einer „Ontologie des Kommunismus“. Er entwickelte zu einer Vielzahl von Themen ungewöhnliche und weitreichende Gedanken, nicht zuletzt zur Leibphilosophie und zu einer Philosophie der Berührung. Die Beiträge Nancys zur Corona-Debatte wurden übersetzt und erscheinen demnächst als Buch im Passagen-Verlag. In der Buchankündigung heißt es:

„Es besteht kein Zweifel: Die Ursachen dieser Gesundheitskrise liegen in unserer Lebensweise, unserem Umgang mit der Natur. Was einst „göttlich“ war, ist menschlich geworden – allzumenschlich, wie Nietzsche sagte. Die Widersprüche und Grenzen unserer Gesellschaft treten unter dem viralen Vergrößerungsglas überdeutlich hervor. Der Tod, den wir gemeinsam mit unseren Kriegen exportierten und bloß noch in Gestalt einiger Krankheiten fürchteten, hat wieder Einzug in unseren Alltag gehalten. Auch diejenigen, die vom Transhumanismus träumen, müssen nun einsehen, dass wir keineswegs übermenschlich, sondern vielmehr allzumenschlich sind.“