Alle Beiträge von Hien

Verdrängte Psychoanalyse

Artikel von Aaron Lahl zum Abgesang der Psychoanalys an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main

Die theoretischen Entwürfe Sigmund Freuds beinhalteten nicht nur eine therapeutische, sondern auch eine eminent kulturkritische Perspektive. Die Kritischen Theorie der Gesellschaft, wie sie insbesondere von Horkheimer und Adorno vertreten wurde, ist ohne Freud nicht denkbar. Von der medizinischen und psychologischen Seite ist hier insbesondere Alexander Mitscherlich zu nennen, der an der Frankfurter Universität 1966 einen Lehrstuhl für Psychoanalyse erhielt, der zugleich als Kulminationstzentrum einer krischen Gesellschaftstheorie fungieren sollte. Nach einer Blütezeit der Psychoanalyse an der Frankfurter Universität in den 1970er und 1980er Jahren setzte nach und nach ein Niedergang dieses Fachs ein, zugunsten einer anpassungsorientierten Verhaltentherapie. Lahl zeichnet diese spannende und zugleich traurige Geschichte minutiös nach.

Postkolonialismus – eine schwierige Problematik

Beginnend mit Franz Fanon („Die Verdammten dieser Erde“) und vorangetrieben von Philosophen und Philosophinnen aus den ehemaligen Kolonien entwickelten sich im ausgehenden 20. Jahrhundert Varianten einer postkoloniale Theorie, die sich zugleich – zumindest teilweise – auch gegen die kulturelle und geistige Hegemonie der europäischen Aufklärung richtet. Dies ist eine große herausforderung für das Denken im globalen Maßstab. Hierbei können sich jedoch auch Momente eines unreflektierten neuen Rassissmus und Antisemitismus einschleichen.

Artikel von Andreas Eckert aus geschichtswissenschaftlcier Perspektive

Artikel von Jens Kastner zum Antisemitismus in postkolonialen Theorien

Thomas Gerlinger zur Krankenhauskrise

Aus Politik und Zeitgeschichte, 71. Jahrgang, 30–31/2021, 26. Juli 2021

Der Medizinsoziologe Thomas Gerlinger gibt in diesem Artikel eine guten Überblick über die Problematik des deutschen Krankenhauswesens. Einerseits gibt es – aus klaren Ökonomisierungsründen – Bestrebungen, die Zahl der Krankenhäuser drastisch zu senken, was andererseits neue und gravierende Probleme insbesondere für die Versorgung in der Fläche, vor allem in ländlichen Regionen, schafft. Gerlinger plädiert für mehr Beteiligung der lokalen und regionalen Bürger/innen. Nicht angesprochen, aber denkbar, sind Lösungsmöglichkeiten wie z.B. medizinischen Zentren oder Polikliniken auf dem Land, welche zumindest ein gute Erstversorgung sicherstellen könnten.

Vorträge von Michael Kohler zum Verhältnis von Mensch und Tier – und zu neuen Pandemiegefahren

Michael Kohler ist bekennender Veganer und ein Experte auf dem Gebiet des Mensch-Tier-Verhältnisses. Kohler hat sich tief eingearbeitet in die Problematik der Zoonosen und der Bedrohung unserer Gesundheit, die aus der kapitalistischen Landnahme ursprünglicher Naturregionen, der industriellen Massentierhaltung und unseres insgesamt schwindenden Respekts vor anderen Lebenwesen resultiert. Kohler bedient einen festen Sendeplatz im Bermuda-Funk, einer basisorientierten Sendeanstalt im Rhein-Neckar-Raum.

Radiovortrag im August 2021 zur Vogelgrippe

Radiovortrag im September zur Antibiotikaresistenz

Philosophischer Salon 2021

Naturbeherrschung, Unbestimmtheit, Sorge – philosophische Betrachtungen zur Pandemie

-> in Bremen:
Freitag, 26. November, 19 Uhr, im Gemeindehaus der Friedenskirche, Humboldtstraße
(es gilt die 3-G-Regel; bitte anmelden unter: kontakt@verein-agl.de)

-> in Ludwigshafen:
Freitag, 3. Dezember, 19 Uhr, in Ludwigshafen-Friesenheim
(es gilt die 3-G-Regel; bitte anmelden unter: kontakt@verein-agl.de)

Vortrag von Dr. Wolfgang Hien mit anschließender Diskussion

Im Vortrag werden philosophische Anleihen genommen bei Max Horkheimer (Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, 1947), Werner Heisenberg (Das Naturbild der neuen Physik, 1953) und Jean-Luc Nancy (Ein allzumenschliches Virus, 2021). Es geht darum, einen kritischen Blick auf die Auswüchse der Naturbeherrschung zu werfen, die eine „Revolte der Natur“ hervorruft. Es geht darum, angesichts der Komplexität der Wirklichkeit sich einzugestehen, dass es unmöglich ist, exakte Daten über den Stand der Dinge zu gewinnen („Unbestimmtheit“). Es geht schließlich darum, angesichts des Wahnsinns der kapitalistischen Globalisierung und der Illusion, der Mensch könne Ort und Zeit unbegrenzt überwinden, sich einzugestehen, dass wir endlich sind, und die einzige Chance darin besteht, Mitmenschlichkeit zu leben und füreinander zu sorgen.

Aus dem bisher Gesagten sollte deutlich geworden sein, dass an diesem Abend nicht über „Corona-Diktatur“ oder das „Pro und Contra des Impfens“ diskutiert werden soll. Der autoritäre Zugriff auf den Menschen ist, insbesondere seit den Extremen des 20. Jahrhunderts, eine immerwährende Gefahr, die im 21. Jahrhundert nur noch durch den manipulativen Zugriff der Internetkonzerne übertroffen wird. Ebensowenig neu ist, dass die kapitalistische Pharmaindustrie ihr weltunmspannendes Netz ausgeworfen hat. All dies wurde und wird an anderer Stellle ausführlich diskutiert, unter anderem auch in unserem Verein (siehe diese Homepage unter: Information – weitere Texte – Gesundheit allgemein). Der Philosophische Salon soll demgegenüber ein wenig den Raum für eine geistige Reflexion öffnen, um über Naturbeherrschung, Unbestimmtheit und das sorgende Mit-Sein mit Menschen und allen Lebewesen nachzudenken. Ein Philosoph, auf hier besonders hinzuweisen ist: Jean-Luc Nancy.

Nancy war urspünglich Mathematiker, um sich dann dem Tanz und dem Theater zuzuwenden. Nancy engegierte sich im revolutionären Pariser Mai 1968. Im späteren verlauf seines philosophischen Denkens wendete er die Kategorie Heideggers vom „Mit-Sein“ gegen Heidegger und erweiterte sie zu einer „Ontologie des Kommunismus“. Er entwickelte zu einer Vielzahl von Themen ungewöhnliche und weitreichende Gedanken, nicht zuletzt zur Leibphilosophie und zu einer Philosophie der Berührung. Die Beiträge Nancys zur Corona-Debatte wurden übersetzt und erscheinen demnächst als Buch im Passagen-Verlag. In der Buchankündigung heißt es:

„Es besteht kein Zweifel: Die Ursachen dieser Gesundheitskrise liegen in unserer Lebensweise, unserem Umgang mit der Natur. Was einst „göttlich“ war, ist menschlich geworden – allzumenschlich, wie Nietzsche sagte. Die Widersprüche und Grenzen unserer Gesellschaft treten unter dem viralen Vergrößerungsglas überdeutlich hervor. Der Tod, den wir gemeinsam mit unseren Kriegen exportierten und bloß noch in Gestalt einiger Krankheiten fürchteten, hat wieder Einzug in unseren Alltag gehalten. Auch diejenigen, die vom Transhumanismus träumen, müssen nun einsehen, dass wir keineswegs übermenschlich, sondern vielmehr allzumenschlich sind.“


Corona-Impfung: Bedenken, Hoffung, Anklage und Perspektiven

Eine grundsätzliche Kritik der Impfkampagnen, auch angesichts gentechnischer Herstellungsverfahren, veröffentlichte die Antifaschistische Aktion Wien. Der Autor, Clemens Arvay, geht mit der Pharmaindustrie ins Gericht und befürchtet eine Gesundheitsdiktatur. Der Autor lehnt eine Impfung gegen SARS-CoV-2 ab:

Eine ebenfall kritische Haltung nimmt das Arznei-Telegramm ein, befürwortet aber eine Impfung:

https://www.arznei-telegramm.de/html/2020_12/2012089_02.html

Die Zeitschrift Jacobin berichtet von einem finnischen Forscher/innen-Team, das schon Mitte letzten Jahres einen patentfreien Impfstoff entwicklte, aber durch die europäischen Behörden ausgebremst wurde. Die kapilafreundliche EU gibt Hunterte von Millionen Euro lieber dem Pharmakapital als einem kleinen nicht-kapital-orientierten Team, obwohl es sich um praktisch den gleichen Impfstoff handelt wie der nun von Biontec oder Moderna teuer vertriebene:

https://jacobin.de/artikel/corona-impfstoff-patentfrei-finnland-moderna-pfizer-astrazeneca-impfstrategie-pharmakonzerne-kalle-saksela-seppo-yla-herttuala-kari-alitalo-biontech/

Ein vorsichtig abwägendes Plädyer für eine Impfung findet sich in einem Artikel aus Malaysia. Autor ist der Neurobiologe Shin Jie Yong:

https://medium.com/microbial-instincts/hypothetical-lasting-health-problems-of-mrna-vaccine-vs-coronavirus-ee11bddb9637

Medico International hat einen Aufruf gestartet für die Patent-Freigabe. Insgesamt sind die bei medico versammelten Artikel sehr informativ:

https://www.medico.de/corona-solidaritaet-in-zeiten-der-pandemie